ESC identifizieren

Unbekannter ESC mit Schrumpfschlauch und 2A Aufkleber

Manchmal habe ich auf dem Tisch Technik liegen, zu der ich erst mal kaum Informationen habe. Diese Technik stammt z.B. aus ganz alten Bestellungen, war ein Giveaway, aus einer Wanderkiste, war mal ein Geschenk, wurde irgendwo ausgebaut usw. usf. In solchen Fällen muss man dann etwas Aufwand investieren, um etwas mehr Informationen herauszufinden. In diesem Artikel geht es um einen ESC (Electronic Speed Controller), bzw. etwas, was 8 Leitungen hat, in Schrumpfschlauch eingeschweißt ist und mit einem „20A“ Aufkleber. Hintergrund des Ganzen ist, dass mir empfohlen wurde, die SimonK Firmware auf die ESCs zu flashen. In dem eingeschweißten Zustand, kommt man aber noch nicht mal an die Programmierschnittstelle dran. Also muss der Schrumpfschlauch ab.

Auf der einen Seite der Platine kommen dann der Controller und die Spannungsregler zum Vorschein, und auf der anderen Seite, ein Kühlkörper und ein Aufdruck „DDT-30A-02“. Ein Aufdruck ist schon oft eine große Hilfe. Anhand des Aufdrucks konnte ich im Netz raus finden, dass die SimonK Firmware mit meinem ESC höchstwahrscheinlich kompatibel ist. Aber, wie so oft, gibt es ein Aber. Bei meiner Recherche konnte ich auch raus finden, dass die Platine mit der Bezeichnung DDT-30A-02 beliebtes Platinenlayout für viele ESCs ist, jedoch kann die Bestückung abweichen. Je nach Bestückung, kann es sich um 30, 20 oder auch 10 Ampere Version handeln. Welche man nun hat, erfährt man, wenn man den Kühlkörper abmacht. Je nach Ausführung, ob 10, 20 oder 30A, werden die Platinen mit 6, 12 oder 15 MOS-FETs bestückt. Nachdem ich den Kühlkörper abgemacht habe, konnte ich 12 MOS-FETs auf der Platine sehen. Also 20A Version, was auch mit dem „20A“-Aufkleber auf dem Schrumpfschlauch übereinstimmen würde. Ich bin auch auf einen Tipp gestoßen, einen Blick in die Liste der kompatiblen ESCs mit der SimonK Firmware rein zu werfen (Google Docs Link). Die Liste besteht aus über 200 Einträgen. Es ist also besser, wenn man bei der Menge der Einträge mit Filtern arbeitet.

In der zweiten Spalte findet man die Angaben zum Maximalstrom und wie ich ja raus finden konnte, liegt dieser bei meinem ESC bei 20A. Also habe ich die Liste nach 20A gefiltert. Danach bleiben nur noch 18 Einträge. In der Spalte „FW file“ blieben aber immer noch zu viele mögliche hex-Dateien. Also musste ich die Liste solange filtern, bis mir nur eine einzige Möglichkeit bleiben würde.

Mikrocontroller auf dem Board ist ein ATmega 8, also Spalte „MCU“ nach ATmega filtern. In der Spalte „Pads“ ist die Anordnung der Pads zum Programmieren gemeint. Wie man auf dem Foto weiter oben sehen kann, sind meine in Reihe angeordnet. Bei Pads also nach Row filtern.

Bei der nächsten Spalte „Ext.Osc“ geht es darum, ob auf der Platine ein externer Oszillator/Quarz vorhanden ist. In meinem Fall konnte ich keins finden, also nach „No“ filtern. Danach bleibt in der Spalte „FW file“ nur noch eine Möglichkeit: tgy.hex

Man könnte jetzt eigentlich meinen, dass man alles nötige weiß und mit gutem Gewissen die tgy.hex auf den ESC flashen kann.

Leider musste ich in Vergangenheit unangenehme Erfahrungen sammeln, insbesondere wenn es um Platinen aus Fernosten geht. Mal wird die Firmware angepasst, mal das Layout, mal die Bauteile – eben alles, was den Preis nach unten drückt. Um aber doch noch die Akzeptanz zu behalten, werden dann Aufdrucke von bekannten Produkten/Platinen verwendet usw. Aber das ist noch mal ein anderes Thema.

Ich habe den Filter mit dem externen Oszillator nochmal raus genommen. Es kann ja sein, dass der Hersteller lieber auf den internen Oszillator gesetzt hat, um somit die Materialkosten bei der Herstellung zu sparen. Was in der Tabelle noch bleibt, sind drei Einträge, mit drei unterschiedlichen hex-Dateien und eine ungefilterte Spalte „FETs“. Zwei Einträge für ESCs mit N-Chanel FETs und ein Eintrag für ESCs mit einem Gemisch aus N-Kanal und P-Kanal MOS-FETs. Wenn man in der Firmware nicht berücksichtigt, ob man nur mit N-Kanal oder mit einem Gemisch aus N- und P-Kanal FETs arbeitet, kann das böse Folgen haben. Im Besten Fall riecht man nur, dass sein ESC ab jetzt nicht mehr funktioniert 😉

Als Nächstes habe ich nach Bezeichnungen der FETs gesucht. Auf der Platine sind 6 MT6680 (N-Chanel MOS-FETs) und 6 AO4407 (P-Chanel MOS-FETs).

Ok, also kann das wirklich nur noch die Firmware tgy.hex sein.

Um meint Skepsis dann noch ein bisschen zu beruhigen, habe ich die ISP Pins des Controllers, zu den sechs Pads für den Programmer, mit einem Multimeter durchgeklingelt.

Im letzten Schritt konnte ich die tgy.hex Firmware auf den ESC flashen, der dann auch ohne Rauchwolken einen Brushless Motor ansteuern konnte 🙂

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